First-Line statt Last-Step:

Wann ist der getunnelte Pleurakatheter die erste Wahl?

25 Newsletter DE First-Line Baum

Interview mit Dr. Baum:

Maligner Pleuraerguss, unklare Prognose, mehrfach punktierte Patientinnen und Patienten. Und dann irgendwann die Entscheidung für einen Katheter. Dieses Szenario ist in vielen Kliniken Alltag. Dabei könnte die Versorgung deutlich planbarer verlaufen.

Dr. Daniel Baum, Thoraxchirurg am Lungenzentrum Coswig, schildert im Gespräch, warum der getunnelte Pleurakatheter für ihn in bestimmten Situationen die logische First-Line-Entscheidung ist und wie sowohl das Versorgungsteam als auch die Patienten davon profitieren.

Portrait Dr. Baum

Dr. med. Daniel Baum ist Facharzt für Thoraxchirurgie und Oberarzt am Lungenzentrum Coswig. 

Er verfügt über die Facharztanerkennung für Allgemeinchirurgie und Thoraxchirurgie und ist klinisch auf die operative Behandlung thorakaler und pleuraler Erkrankungen spezialisiert. Neben seiner klinischen Tätigkeit ist er in der fachlichen Aus- und Weiterbildung aktiv, an klinischen Studien beteiligt und hält regelmäßig Vorträge. 

Dr. Baum, wann kommt für Sie ein getunnelter Pleurakatheter als Erstmaßnahme infrage? 

Dr. Daniel Baum: 
Den Begriff „First-Line-Therapie“ verwenden wir intern nicht aktiv, aber ja, es gibt Situationen, in denen wir sofort beim ersten Patientenkontakt wissen: Das wird ein chronisch-rezidivierender Erguss. Etwa bei einer Pleurakarzinose oder kardial bedingten Ergüssen.
Zeigt sich intraoperativ eine gefesselte Lunge oder im Rahmen einer diagnostischen Thorakoskopie eine offensichtliche Pleurakarzinose und ist eine langfristige Drainagetherapie absehbar, implantieren wir den Verweilkatheter direkt, um dem Patienten einen zusätzlichen Eingriff zu ersparen.

Wie gehen Sie konkret vor, wenn die Diagnose intraoperativ gestellt wird? 

Dr. Daniel Baum: 
Wenn wir bei einer Thorakoskopie sehen, dass die Lunge „gefesselt“ ist oder der Erguss rezidivieren wird, implantieren wir direkt einen Pleuraverweilkatheter. Ziel ist es, den Patienten einen zusätzlichen Eingriff zu ersparen.

Wie ist Ihre Erfahrung mit dem Eingriff selbst?

Dr. Daniel Baum: 
Die Implantation ist ein kurzer Eingriff mit meist sehr kurzer stationärer Verweildauer. Der postoperative Schmerz ist in der Regel gering. Andere Verfahren sind deutlich aufwendiger und mit einer höheren Belastung für den Patienten verbunden.

Welche Komplikationen sehen Sie häufiger: bei Punktionen oder beim Katheter?

Dr. Daniel Baum: 
Infektionen kommen vor, aber das ist kein großes Problem. Bei mehrfachen Punktionen sehen wir mehr Komplikationen, etwa Blutungen oder Lungenverletzungen. Der Katheter ist da in vielen Fällen sicherer.

Wie funktioniert die Versorgung der Patienten nach der Entlassung? 

Dr. Daniel Baum: 
Sehr gut. Wenn das Entlassungsmanagement funktioniert, läuft auch die Nachsorge reibungslos. Es sind auch einige Schulungsmitarbeiter von ewimed bei uns als
Pflegefachpersonen eingestellt.

Was würden Sie Kolleginnen und Kollegen anderer Fachrichtungen empfehlen? 

Dr. Daniel Baum: 
Punktionen sind belastend, risikobehaftet und logistisch aufwendig. Wenn klar ist, dass es sich um einen malignen oder kardialen Erguss mit Rezidivrisiko handelt, sollte man die Katheterimplantation als Erstmaßnahme ernsthaft in Betracht ziehen. 

Fazit

First-Line heißt: dem Patienten unnötige Eingriffe ersparen, Ressourcen effizient nutzen und frühzeitig einen klaren Therapiepfad einschlagen.  

In den meisten Fällen entscheiden wir uns für eine Drainagelösung – je nach Situation temporär oder dauerhaft.

Nutzen Sie die Chance zur First-Line-Entscheidung: 
Empfehlen, überweisen oder implantieren Sie, je nach Fachgruppe und klinischer Situation. 

Sie möchten die Versorgung in Ihrer Klinik strukturieren oder sich beraten lassen? Unser Team unterstützt Sie gerne persönlich.  

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